Bildstöcke in Weyarn

Auch wenn die Gemeinde Weyarn nicht unmittelbar an Holzkirchen grenzt, gehört sie doch irgendwie zur Nachbarschaft und wenn es um Bildstöcke geht, lohnt es sich allemal, einen Blick nach Weyarn zu werfen. Die ca. 3900 Einwohner (Stand Januar 2020) dieser Gemeinde verteilen sich auf 21 Dörfer und mehrere kleine Weiler. Von der Fläche (4671 ha) ist Weyarn etwas kleiner als die benachbarte Gemeinde Warngau. Dennoch findet man auf Weyarner Grund und Boden deutlich mehr dieser alten Kalktuffsteinsäulen.

rot: Kalktuffsäulen
blau: Steinkreuz
orange: hölzerner Bildstock


Text: Erwin Kammerer
alle Bilder sind Eigentum von Erwin Kammerer
verwendete Literatur: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege,Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Miesbach, Gemeinde Weyarn (Baudenkmäler) von der Interseite:
https://www.geodaten.bayern.de/
denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_182137.pdf

Kleinhöhenkirchen

Fährt man von Kleinhöhenkirchen in die Altenburger Straße (Richtung Altenburg, Westerham), so findet man ca. 100 Meter nach dem Ortsrand rechts neben der Straße einen großen steinernen Bildstock aus dem 17. Jahrhundert. Seine einzige Bildnische ist zur Straßenseite hin ausgerichtet und trägt auch ein Motiv.

Sonderdilching

Von Kleinhöhenkirchen kommend findet man in Sonderdilching einen ersten Bildstock links von der Straße nach Weyarn. 2013 war die Säule noch von den Ästen eines Baumes eingehüllt, so dass man diesen Bildstock aus dem 16. Jahrhundert sehr leicht übersehen konnte. Ein paar Jahre später wurde die Säule freigelegt und ist nun schon von Weitem sichtbar. Von den drei Bildnischen trägt nur eines ein Bildmotiv.

Ein kurzes Stück weiter Richtung Weyarn findet man rechts der Straße in Sichtweite zur kleinen Kirche den zweiten Bildstock von Sonderdilching. Er soll aus dem 17. Jahrhundert stammen und trägt drei schon etwas verblassende Motive.

Gegen das südliche Ortsende von Sonderdilching zu muss man ostwärts (nach links) in eine kleine Nebenstraße einbiegen, um einen weiteren Bildstock von Sonderdilching zu finden. Er wird dem 16. Jahrhundert zugeschrieben. Von der Straße aus kann man drei Bilder sehen, die alle durch ein Glas etwas vor der Witterung geschützt sind.

Mittenkirchen

Fährt man von Sonderdilching Richtung Mittenkirchen, so kommt man an einem Bildstock direkt rechts am Straßenrand vorbei und wird ihn (zumindest im Sommer) vermutlich doch übersehen, da er vom Gebüsch des Waldrands fast völlig verdeckt wird. Von der Straße aus kann man drei Bildtafeln sehen, aber nur eine trägt ein mehr schlecht als recht zu deutendes Motiv. Die Steinsäule ist angeblich mit 1662 bezeichnet.

Südlich der kleinen Kirche von Mittenkirchen steht abseits der Straße und am Ostrand des kleinen Hügels ganz einsam ein Bildstock, der ins 17. Jahrhundert datiert wird. Auf seiner Ostseite trägt er ein relativ farbenkräftiges Heiligenmotiv.

Etwas weiter, abseits der Straße von Mittenkirchen nach Fentbach steht eine angeblich aus dem Jahre 1655 stammende Kalktuffsteinsäule  am Waldrand. Lediglich eine der vier Nischen zeigt ein (allerdings sehr verwittertes) Motiv. Eine etwas tiefer liegende kleine Figurennische ist ebenfalls leer.

Von Mittenkirchen zieht auch eine Straße hinunter nach Arnhofen. Kurz vor dem nach unten führenden Berg steht eine Tuffsteinsäule aus dem 17. Jahrhundert. Die einzige, ziemlich tiefe Nische trägt ein recht neues Bildmotiv in kräftigen Farben.

Arnhofen

An der Straßengabelung von Arnhofen steht im Schatten eines Baumes eine dem 18. Jahrhundert zugeschriebene Kalktuffsteinsäule. Die Spitze trägt ein Kreuz mit drei parallelen Querbalken und darüber einen kleinen metallenen Wimpel. Von den vier Nischen ist nur eine mit einer Bildtafel ausgestattet; sie zeigt den Heiligen Florian in typischer Darstellung.

Estendorf

Von Holzolling kommend findet man am Ortseingang rechts der Straße zwischen zwei Linden einen Bildstock aus dem 18. Jahrhundert. Zur Straßenseite hin trägt er eine bildartig anmontierte Heiligenfigur (Mutter Gottes?).

Bach

Von Holzolling heraufkommend erreicht man kurz nach der Autobahnunterführung den zu Weyarn gehörenden Weiler Bach. Von der vermutlich aus dem 18. Jahrhundert stammenden Kalktuffsäule ist hier aber nichts zu sehen. Sie steht in einem etwas sumpfigen Gebiet gut 400 Meter abseits der kleinen Ansiedlung. Kein klar erkennbarer Weg führt direkt zu diesem Bildstock, der obendrein von einem Baum und einem großen Strauch recht gut versteckt wird. Am besten nähert man sich der alten Säule von Wattersdorf aus. Kurz nach dem östlichen Ortsende führt links ein steiniger Weg hinab bis zu einem überdachten Abstellplatz für landwirtschaftliche Geräte. Von dort ist es nicht mehr weit bis zur Säule, die man aber vermutlich nicht ganz erreichen wird. Möglicherweise trägt dieser Bildstock nach Osten zu eine Nische, die drei anderen Seiten lassen nichts dergleichen erkennen. Die Spitze der Säule ziert ein Kreuz mit drei parallelen Querbalken (Papstkreuz).

Bruck

Auf der Fahrt von Wattersdorf nach Großseeham findet man an der Kreuzung in Bruck auf der rechten Straßenseite einen Bildstock, der an die 391 Pesttoten der Pfarrei Neukirchen aus dem Jahre 1634 erinnert.

Neukirchen

Angeblich hat man ihn bei Grabungsarbeiten in den Jahren 2002/2003 gefunden. Nun steht dieser von roten Rosen malerisch umrankte Bildstock aus dem 16. Jahrhundert direkt hinter dem Zaun des Pfarrhauses. Zur Straßenseite hin ist ein Bildmotiv vom Heiligen Dionysius zu sehen.

An der Straßengabelung nach Stürzlham und Wettlkam steht ein angeblich mit 1585 bezeichneter Bildstock mit einem eisernen Kreuz mit drei Querbalken an der Spitze. Von den drei Bildtafeln trägt lediglich die zur Straße gewandte ein noch einigermaßen zu deutendes Motiv.  Dafür bietet dieser Bildstock ein steinernes Bänklein zum Verweilen.

Wattersdorf

Vom Weyarner Ortsteil Wattersdorf führt die schmale Maxlrainer Straße Richtung Reinthal, Neukirchen. Dabei zeigt sich am Ortsende von Wattersdorf rechts hinter dem Zaun ein etwas vermooster, sichtlich alter Bildstock auf einem ebenso offenkundig neuen Sockel. Die einzige, tiefe Nische enthält weder Bild noch Figur. Das Landesamt für Denkmalpflege schweigt sich über diesen Bildstock leider aus. Man kann vermuten, dass diese Steinsäule (und vermutlich ist es nur ihr oberer Teil) erst in jüngerer Zeit (an ihrem ursprünglichen Platz?) wieder aufgestellt worden ist.

Stürzlham

Westlich der Staatsstraße von Weyarn nach Miesbach steht etwa 200 Meter nach der nördlichen Zufahrt zu Stürzlham eine mit 1822 bezeichnete Kalktuffsteinsäule in der Wiese. Anstelle einer Bild- oder Figurennische zeigt die Säule einen aus dem Stein herausgemeißelten Christus am Kreuz.

Großpienzenau

Ein paar Meter östlich der Stelle, wo das Sträßlein mit dem Namen Ehgart von der Burgstraße abzweigt, findet man – wenn man genau hinschaut – hinter einem Gartenzaun zwischen den Ästen eines Baumes einen hölzernen Bildstock (Stand 2013), den das Landesamt für Denkmalpflege ins 19. Jahrhundert datiert. Auch wenn man in Rechnung stellt, dass es hölzerne Bildstöcke ohnehin schwerer haben, Jahrhunderte zu überdauern als steinerne, so wirkt dieser Bildstock doch ein wenig allein gelassen. Hinter der Glastüre des Holzkastens kann man die Reste eines Bildmotivs vermuten.

Fentbach

Mindestens bis zum Jahr 2008 stand diese markante Steinsäule aus dem 16. Jahrhundert rechts der Straße von Fentbach nach Weyarn allein in der Wiese. Nun hat sie ein Haus als Nachbarn. Die Bildnische zeigt ein Motiv. Die kleinere Nische darunter trägt den biblischen Spruch „Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst“.

Unweit des gerade beschriebenen Bildstocks findet man ein kleines Steinkreuz. Es ist nicht frei zugänglich und daher nur mit Teleobjektiv zu fotografieren. Das Landesamt für Denkmalpflege datiert es ins späte Mittelalter.

Etwas nordwestlich oberhalb von Fentbach steht eine weitere Kalktuffsäule. Sie könnte aus dem Jahr 1585 stammen, ihre drei Bildnischen sind leer.

Westin

Dort, wo der Weg zum Hof von Westin von der Straße von Thalham zum Taubenberghaus abzweigt, steht eine große Kalktuffsteinsäule mit einem kunstvoll gestalteten Metallkreuz an der Spitze. Statt mehrerer kleiner Bildnischen enthält sie eine größere Figurennische, die jedoch nur eine arg verwitterte Holztafel mit einem religiösen Motiv beinhaltet. Den Spruch am unteren Ende der Tafel kann man nur noch erahnen: „Gottes Segen unser Trost“. Man findet allerdings auf der Rückseite der Säule übereinander die Buchstabendreierkombinationen DDD CCC XXX, was unschwer als römische Zahl für 1830 gedeutet werden kann.

Kilian

Biegt man am Bildstock von Westin in südlicher Richtung (Kilian) ab, so erreicht man an einer ansteigenden Straße den alten Bildstock aus dem 17. Jahrhundert. Das einzige, schon etwas verwitterte Bildmotiv scheint an ein Unglück zu erinnern, das wohl einst einen armen Menschen in dieser Gegend ereilt hat.

Huber

Wie schon Westin und Kilian, so liegt auch das Anwesen Huber im Bereich des Taubenbergs. Der Bildstock liegt (Luftlinie) etwa 1,7 km südwestlich vom Gasthaus Gotzinger Trommel. Das Landesamt für Denkmalpflege vermutet den Ursprung der Kalktuffsteinsäule mit dem Kreuz mit den zwei parallelen Querbalken an der Spitze im 17. Jahrhundert. Alle vier Nischen tragen ein relativ neues, in kräftigen Farben gehaltenes Bildmotiv, wobei eine der Nischen auch tief genug für eine Figur wäre.