Bildstöcke in Warngau

Warngau, die aus vielen kleinen malerischen Dörfern und Höfen bestehende Gemeinde am Taubenberg kann eine Reihe dieser alten Kalktuffsteinsäulen aufweisen.

Die Gemeinde Warngau grenzt östlich bis südlich an das Holzkirchenr Gemeindegebiet. Auf 5234 ha Fläche leben nur knapp 3900 Einwohner (Angaben nach Internetseite der Gemeinde Warngau, Stand Dezember 2019). Im Internetauftritt der Gemeinde Warngau sind nur die elf etwas größeren  Ansiedlungen aufgeführt, daneben gibt es aber noch mehrere kleine Ansiedlungen, die oft nur aus einem einzigen Hof bestehen. Es handelt sich also um eine sehr ländlich geprägte Gemeinde, in der sich auch einige alte Kalktuffsteinsäulen gut in die Landschaft einfügen.

rot: Bildstöcke in Warngau
schwarz: Timotheuskreuz in Warngau
[blau: Bildstöcke in Weyarn; gelb: Bildstock in Valley]


Text: Erwin Kammerer
alle Bilder sind Eigentum von Erwin Kammerer
verwendete Literatur: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege,Regierungsbezirk Oberbayern, Landkreis Miesbach, Gemeinde Valley (Baudenkmäler) von der Interseite:
https://geodaten.bayern.de/
denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_182136.pdf Stand: 15.04.2020)
https://badw.de/fileadmin/pub/akademieAktuell/2005/14/14_deutinger.pdf
https://www.welt.de/geschichte/article150287010/In-der-Mordweihnacht-starben-Tausende-Bayern.html (Artikel vom 25.12.2015)

Osterwarngau

Von Lochham bzw. Holzkirchen kommend findet man unweit des Ortsschildes von Osterwarngau einen Bildstock aus dem 16. Jahrhundert. Er gehört zu den besonders alten Bildstöcken, kann aber auch als Beispiel dafür dienen, wie einige (leider nicht alle) dieser betagten Steinsäulen auch heute noch liebevoll gepflegt werden. Eine Vergleichsaufnahme aus dem Jahr 2007 zeigt ein schon sehr verblasstes Bildmotiv; außerdem sieht man dort, dass ein Teil des Steinkreuzes an der Spitze abgebrochen ist. Im Jahr 2013 sind alle drei Nischen mit neuen Bildern ausgestattet. Sie zeigen neben dem gekreuzigten Jesus noch die beiden Heiligen Notburga und Isidor. Außerdem ist das steinerne Kreuz wieder sehr schön restauriert.

Zu Osterwarngau wird auch der Bildstock „Grüne Marter“ am Taubenberg gerechnet. Alle vier Nischen enthalten eigene Bildmotive, die aber teilweise etwas verwittert sind. Der Stamm der Säule zeugt von einigen Versuchen, den Bildstock durch Ausbesserungsarbeiten vor einem möglichen Abbrechen zu bewahren. Die Grüne Marter stammt wohl aus dem frühen 18. Jahrhundert und wurde vermutlich zur Erinnerung an den Bauernaufstand gegen die damalige  österreichische Besatzung (1704 bis 1715) errichtet. In der „Sendlinger Mordweihnacht“ sollen dabei über 1000 der nur notdürftig für den blutigen Kampf ausgerüsteten Bauern aus Oberbayern ums Leben gekommen sein. In den Folgewochen starben wohl nochmal an die tausend Aufständische.

Wandert man von Osterwarngau den Kreuzweg entlang nach Nüchternbrunn, so kommt man an einem eher ungewöhnlichen Bildstock vorbei. Es ist eine simple Betonsäule mit einer Bildnische, die manchmal mit einem meist religiösen Symbol bestückt ist. Vermutlich stammt sie aus dem 20. Jahrhundert.

Draxlham

Von der Valleyer Straße führt ein einsamer Weg am Südrand des VIVO-Geländes vorbei nach Draxlham. Etwa 250 Meter vom Ortsteil Draxlham entfernt steht am Nordostrand des Weges eine weitere der Steinsäulen auf Warngauer Gemeindegebiet. Hier kommen wohl so selten Besucher vorbei, dass nicht mal das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege von dieser Säule Kenntnis genommen hat, zumindest findet man im Internet bis dato (Juni 2015) keinen Hinweis darauf. Auch scheint dieser Bildstock in jüngster Zeit keinerlei fachmännische Renovierungsarbeiten erlebt zu haben. Vermutlich waren mal drei Seiten für Bildmotive vorgesehen. Eine Tafel ist noch erhalten, außer ein paar roten Farbresten ist aber nichts mehr zu erkennen.

Oberwarngau

Oberwarngau hat zwar keine alte Kalktuffsteinsäule zu bieten, dafür gibt es gegenüber der Einmündung der Lindenstraße in die MB10 von Oberwarngau nach Wall eine Art Kapellenbildstock.

Polz

Auf der MB12 von Warngau Richtung Gotzing fahrend kommt man an der Kapelle St. Michael in Hinterberg vorbei. Kurz darauf passiert man das Anwesen Steingräber (links) und kommt dann an eine nach rechts (südlich) abzweigende Allee, von der zwar noch die Bäume da sind, nicht jedoch die Straße oder der Weg. Vermutlich ging es hier früher mal zum Anwesen Polz. Heute ist hier nur noch Wiese. Wenn man sich von der MB12 aus an den Bäumen entlang etwa 130 Meter vorarbeitet, so gelangt man an eine schon etwas mitgenommene Kalktuffsteinsäule. Stark bemoost und auf der Südseite im mittleren bis oberen Teil beschädigt, wirkt diese Säule, an der heute kein richtiger Weg mehr vorbeiführt, doch etwas einsam und verlassen. Die eingemeißelte Jahreszahl könnte 1698 lauten. Der Bildstock wird auch ins 17. Jahrhundert datiert.

Thalham Trost

Fährt man von der Hinterberg-Kapelle bei Steingräber ca. 2,3 km Richtung Wall, so biegt man gegenüber einer kleinen Wegkapelle nach links Richtung Hairer ab. Nach einem knappen Kilometer passiert man eine weitere Wegkapelle und nochmal etwa 500 Meter weiter biegt man links nach Trost ab. Gleich darauf sieht man rechts eine Kleine Kapelle mit einem auffallend spitzen Blechdach. Hier geht es in einer Rechtskurve eine Senke runter. Beim nachfolgenden kurzen Anstieg kommt man an der kleinen Kalktuffsteinsäule aus dem 16. Jahrhundert vorbei. Sie trägt drei Bildmotive. Die Rückseite enthält eine verwitterte leere Bildnische.

Keine hundert Meter weiter steht an der Abzweigung Trost der nächste Bildpfeiler. Anstelle von Bildmotiven bietet diese Säule aus dem 16. oder 17. Jahrhundert eine kleine Figurennische mit einer Mutter Gottes.

Wall

Kurz vor dem eigentlichen Ortskern mit der Kirche von Wall kommt man gegenüber einer nach Norden weisenden Abzweigung (Richtung Kapelle St. Michael in Hinterberg an der MB12) am ehemaligen Restaurant/Cafe Waldeck vorbei. Auf privatem Grund steht ein liebvoll gepflegter Bildstock. Die Kalktuffsteinsäule mit einem Metallkreuz an der Spitze trägt vier Bildmotive und einen typisch düsteren Spruch: „Wie denkt – der Mensch so gerne – der Tod ist – in der Ferne.“ Der Bildstock ist mit 1786 bezeichnet.

Geht man in Wall nördlich der Kirche den Kirchbichl hinunter, so findet man einer Wegkreuzung eine weitere Tuffsteinsäule. Im Gegensatz zur Säule beim früheren Cafe Waldeck macht diese Säule wieder einen etwas verwilderteren Eindruck. Zwei der drei Bildnischen enthalten eine Metallauskleidung, auf der in einem Fall gerade noch die Ahnung eines ehemaligen Bildes zu erkennen ist. Auch der andere Metallhintergrund zeigt ein schon recht verblasstes religiöses Motiv. Die dritte Nische ist leer.

Bernloh

Wenn man von Wall nach und durch Bernloh fährt, findet man kurz nach dem Dorfende von Bernloh (am Ende des kleinen Wäldchens) links der Straße zwischen zwei Bäumen eine Kalktuffsteinsäule mit drei Bildnischen, von denen nur die zur Straße gewandte ein Motiv zeigt. An der ziemlich vermoosten Spitze trägt die Säule noch ein Kreuz mit drei parallelen Querbalken. Die Säule wird ins 18. Jahrhundert datiert, wozu die auf dem Bildmotiv erscheinende Jahreszahl (vermutlich 1785) hindeutet.

Feldschuster (Timotheuskreuz)

Auf dem Weg von Bernloh nach Einhaus sieht man beim Feldschuster zwar keinen klassischen Bildstock, jedoch ein steinernes Kreuz und einen benachbarten kleinen Pfeiler aus Kalktuff. Das Ensemble stammt wohl aus dem Jahr 1562 und ist als Timotheuskreuz bekannt. Im Rahmen der Arbeiten zur ersten bayrischen Landvermessung stürzte hier Timotheus Apian tödlich vom Pferd. In Erinnerung an seinen Bruder ließ Philipp Apian diese zwei Gedenksteine aufstellen.